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DHL-Erpresser++Umstrittene Schauspieler-Satire++EM-Spiele mit Fans

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Liebe Leserinnen, liebe Leser;
in gereizten Zeiten wie diesen gilt das erste Gebot von Kurt Tucholsky, wonach die Satire “alles darf”, nur noch eingeschränkt. Anders lässt sich der intensive Schimpfsturm, der den Videoclips von etwa 50 Schauspieler*innen unter dem Hashtag #allesdichtmachen folgte, nicht erklären. Politiker wie der Hamburger Gesundheitssenator und der Berliner Kultursenator reagieren angefasst, verwahren sich gegen “Hohn” und “Sarkasmus”. Auch andere Schauspiel-Kollegen wie Nora Tschirner und Christian Ulmen geißeln die Aktion, manche Teilnehmer*in geht auf Distanz, nachdem er/sie eine Nacht drüber geschlafen hat.
Mag sein, dass aggressiver Humor ein Akzeptanzproblem hat, vielleicht weil die Menschen in Deutschland inzwischen mehrheitlich auf dem Achtsamkeits-Trip sind. Geschliffener Zynismus war mal hoffähig, als der große Harald Schmidt noch in seiner Late Night Show die Weltlage analysierte. Von ihm stammt der Tucholsky 2.0-Spruch: “Auch Behinderte haben ein Recht darauf, von mir verarscht zu werden.” Den muss man mal sacken lassen, den Satz.
Gemessen daran sind die Einlassungen von “Tatort”-Stars wie Jan Josef Liefers und Ulrich Tukur zur deutschen Corona-Politik zwar kontrovers, aber nicht so skandalös, dass sie Schappatmung auslösen. Liefers’ pauschale Medienschelte fällt etwas unterkomplex aus, während ich Tukurs Aufsager (eingeleitet mit einem Rilke-Gedicht) richtig stark finde. “Schließen Sie ausnahmslos jede menschliche Wirkungsstätte und jeden Handelsplatz!”, fordert er von der Bundesregierung. “Nicht nur Theater, Cafés, Schulen, Fabriken, Buchhandlungen, Knopfläden nein, auch alle Lebensmittelläden, Wochenmärkte und vor allem auch all die Supermärkte.” Die Schlusspointe ist genial: Sind wir dann alle verhungert und tot, schaut das Virus dumm aus der Wäsche.
Ich habe die Aktion als auf Krawall gebürsteten Notruf einer Zunft verstanden, für die seit einem halben Jahr ein De-facto-Berufsverbot gilt. Der die Worthülsen der Politik (à la “Das Virus verzeiht es nicht, wenn…”) an beiden Ohren rauskommen. Die mit ansehen muss, dass für Theater, Museen, Kinos strengere Grenzwerte gelten (100) als fürs Shoppen (150) und die das subjektive Gefühl beschleicht, von Kulturbanausen regiert zu werden.
Ich kann den Groll, der der Aktion zugrunde liegt, gut nachvollziehen. Es bleibt aber leider ein Grundproblem, dass Zeitungsmacher nur zu gut kennen: Ironie wird von einem Großteil des Publikums nicht oder nicht richtig verstanden.
Zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache: Die Grafik mit den Corona-Zahlen des Tages müssen wir Ihnen heute aus technischen Gründen schuldig bleiben.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende mit schönen Spaziergängen zu jeder Tageszeit.
Herzlichst, Thorsten Keller, Chef vom Dienst Digital
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